Frauen mit Behinderungen sind besonders häufig von Gewalt betroffen. Laut aktuellen Studien aus dem deutschsprachigen Raum ist jede zweite bis vierte Frau mit Behinderung von Gewalt betroffen.
In Südtirol gibt es keine Studien zum Thema Gewalt an Frauen mit Behinderung.
Wer sind die Täter*innen?
Täter*innen kommen häufig aus dem sozialen Nahraum der Frauen. Dies sind Familienangehörige oder Bekannte, Nachbar*innen und Unterstützungspersonen.
Sehr häufig erfahren Frauen mit Behinderung auch Gewalt von anderen Menschen mit Behinderung (Peergewalt).
Welches sind Risikofaktoren?
- Abhängigkeit: Frauen mit Behinderungen sind oft auf Unterstützung von Betreuungspersonen und Familie angewiesen. Diese Abhängigkeit von anderen Menschen führt zu einem Machtungleichgewicht, welches die Täter*innen ausnutzen.
- Isolation: Frauen mit Behinderungen, welche in Wohneinrichtungen wohnen, haben kaum Zugang und Informationen zu Anlaufstellen. Menschen mit Behinderung haben oft weniger Sozialkontakte als Menschen ohne Behinderung.
- Diskriminierung und mangelndes Selbstwertgefühl: Schwierigkeiten in der Kommunikation und fehlendes Bewusstsein über die eigenen Rechte und Grenzen begünstigen dauerhafte Gewalt und Missbrauchserfahrungen und die Ohnmacht, diese zu durchbrechen.
- Fehlende sexuelle Bildung: Frauen mit Behinderungen wird oft das Recht auf Sexualität oder Informationen über Sexualität aberkannt. Fehlendes Wissen über den eigenen Körper, über Grenzen und über die eigene Sexualität begünstigen sexuellen Missbrauch.
Inklusiver Gewaltschutz! Jetzt!
Das Thema Gewalt und Gewaltschutz muss immer inklusiv gedacht werden, weil unterschiedliche Menschen in einer Gesellschaft in unterschiedlicher Weise von Gewalt betroffen sind. Ein inklusiver Gewaltschutz gewährleistet allen Menschen den gleichen Zugang zum Recht auf ein selbstbestimmtes Leben ohne Gewalt.
Wichtigste Elemente des inklusiven Gewaltschutzes
- Architektonische Barrierefreiheit von Anlaufstellen
- Barrierefreie Informationen über Anlaufstellen und Notfallnummern
- Barrierefreie Beratungssettings (Leichte Sprache, Gebärdensprache, schriftliche Kommunikation.)
- Sichtbarkeit von Gewalt an Frauen mit Behinderungen im Diskurs über Gewalt an Frauen.
- Verpflichtende Gewaltschutzkonzepte in Einrichtungen von Menschen mit Behinderung
- Statistische Erfassung von Übergriffen und Gewalt in Einrichtungen und Diensten
- Prävention durch Kurse für Frauen mit Behinderungen zum Thema Frau sein, Sexualität, meine Rechte, Selbstverteidigung.
- Die Gewalt an Frauen mit Behinderung in der Interdisziplinären Sensibilisierung, Weiterbildung und Netzwerk von Fachkräften aus dem Bereich Polizei, Justiz, Medizin und Fachleute aus dem Sozialbereich mitdenken .
- Psychotherapeutische Angebote für Frauen mit Behinderung
Anlaufstelle:
Beratungsstelle LISEA – Beratung für Liebe und Sexualität – Lebenshilfe: zur Webseite
Nützliche Dokumente und Links in leichter Sprache:
- Projekt Erika in der Ersten Hilfe beim Südtiroler Sanitätsbetrieb: zum Flyer
- Alles klar? Ein Heft für junge Frauen: zum Heft
- Landesweb in Leichter Sprache: zur Webseite
- Broschüre Frauen gegen Gewalt Meran: zur Webseite









